Hilfe für Kinder suchtkranker Eltern

Schaffrath Stiftung spendet 3.000 Euro

Hilfe für Kinder suchtkranker Eltern

MÖNCHENGLADBACH Jan ist aufgeregt. Der Sechsjährige backt heute mit seiner Mutter und Freunden eine leckere Pizza. Was sich wie eine normale  Freizeitbeschäftigung anhört, ist für den Jungen etwas ganz Besonderes. Wie jedes sechste Kind in Deutschland wächst Jan in einer Familie mit mindestens einem suchtkranken Elternteil auf. Ein Drittel der Kinder süchtiger Eltern entwickelt selbst eine Suchtproblematik. „Ein weiteres Drittel hat in seinem Leben psychologische Probleme. Doch das ist noch lange nicht alles“, sagt Heinz-­Josef Claßen, Geschäftsführer der Drogenberatung Mönchengladbach. So leiden viele Kinder von Suchtkranken unter mangelnder Zuneigung und Zuwendung. Ihre Bedürfnisse werden kaum wahrgenommen, und sie sind mit der Suchterkrankung
ihrer Eltern oder eines Elternteils überfordert.

Deshalb hat die Drogenberatung vor mehr als sechs Jahren das Projekt „Hilfen für Kinder und Jugendliche in suchbelasteten Lebensgemeinschaften“ gestartet. Betroffene lernen, dass die Sucht der Eltern eine Krankheit ist, die sie nicht heilen und kontrollieren können und für die sie nicht verantwortlich sind. Ziel des Projekts ist es, durch Freizeit-­ und Familienangebote Hilfestellung zu leisten. „Leider sind diese Hilfen nicht durch öffentliche Mittel finanzierbar. Durch die Spende der Schaffrath Stiftung von 3.000 Euro haben wir wieder Planungssicherheit, um ein abwechslungsreiches Programm anbieten zu können“, betont Claßen. Dazu zählen zum Beispiel Spiele-­ und Bastelnachmittage, gemeinsames Kochen und Backen, Grillen, Ausflüge in den Düsseldorfer Aqua Zoo oder in den Kölner Zoo sowie Schlittschuhlaufen in Grefrath. „Die Kinder und Jugendlichen erfahren bei uns nicht nur Zuwendung und Beständigkeit, sondern finden auch Freunde und bauen ein sozial tragfähiges Netzwerk auf, das ihnen Sicherheit gibt“, sagt Achim Brasseler, Leiter der Drogenberatung.

Er weiß auch, dass soziale Kontakte für die nichtsuchtkranken Elternteile enorm wichtig sind: „Aus Scham schotten sie sich von der Außenwelt ab und ziehen sich immer mehr in sich selbst zurück. So wie Jans Mutter.“ Doch bei den Freizeitangeboten der Drogenberatung trifft sie auf Eltern, die ein ähnliches Schicksal teilen. Mit ihnen kann sie reden und sich austauschen. „Gleichzeitig lernt sie, bei den Aktivitäten auf die Bedürfnisse ihres Sohnes einzugehen und sich mit ihm kindgerecht zu beschäftigen“ erklärt der Diplom-Sozialarbeiter.

Suchtprävention fängt bei den Kindern an

Für Stiftungsgründerin Renate Schaffrath stand sofort fest, dass sie das Projekt der Drogenberatung mit einer Spende unterstützen wird: „Die Präventionsarbeit, die dort geleistet wird, ist gerade in Zeiten immer härter werdender Drogen so unglaublich wichtig und muss dauerhaft gewährleistet sein.“ Antonius Bergmann, Kuratoriumsmitglied der Schaffrath Stiftung, fügt hinzu: „Die Sucht der Eltern ist eine Familienkrankheit. Kinder als schwächste Mitglieder haben Anspruch auf Hilfe und Unterstützung. Die Drogenberatung leistet hervorragende Arbeit, weil sie Kindern und Jugendlichen, trotz eines schwierigen familiären Umfelds, eine normale Entwicklung im sozialen und schulischen Bereich ermöglicht.“

Bildunterschrift:
Mit 3000 Euro unterstützt die Schaffrath Stiftung das Projekt der Drogenberatung „Hilfen für Kinder und Jugendliche in suchtbelasteten Lebensgemeinschaften“. (v.l.) Achim Brasseler, Leiter Drogenberatung, Antonius Bergmann, Kuratoriumsmitglied Schaffrath Stiftung, Stiftungsgründerin Renate Schaffrath, Heinz-­Josef Claßen, Geschäftsführer Drogenberatung, Nicole Wilms, Vereinsvorsitzende Drogenberatung sowie Dörte Schall, stellvertretende Vereinsvorsitzende Drogenberatung.